Infolge einer gegenwärtig außergewöhnlichen insbesondere internationalen Nachfrage und einem entsprechenden Preisanstieg erleben heimische Handwerker, die Baubranche und die Verpackungsindustrie eine deutliche Verteuerung des von ihnen benötigten Rohstoffs. Die Entwicklung steht im Kontext eines Bau-Booms in verschiedenen Ländern au-
ßerhalb Europas. Auch in Deutschland ist die Zahl der genehmigten Einund Zweifamilienhäuser im Januar 2021 um etwa 16 Prozent gegenüberdem Vorjahr gewachsen, und auch der Hochbau oder der Bau etwa von Kindergärten oder Büros verzeichnen einen deutlichen Zuwachs.

In diesem Zusammenhang erfährt auch Nadelschadholz eine gesteigerte Nachfrage, für das bis vor wenigen Monaten nur außerordentlich niedrige Preise erzielt werden konnten. Die deutsche Sägeindustrie und der deutsche Holzhandel verzeichnen angesichts der Nachfrage einen erheblichen Umsatzanstieg, doch profitieren die Waldbesitzer beziehungsweise Rundholzproduzenten nur unzureichend von der Preisentwicklung: Die
Preisexplosionen haben in der Lieferkette „hinter der Säge“, also beim Schnittholz stattgefunden, nicht beim Rundholz. Zwar stiegen die Rundholzpreise seit Juli 2020 konstant, die Preisrelation zwischen Schnitt- und Rundholz ist aber um den Faktor 2,6 größer als üblich.

Es kommt insgesamt zur Situation, dass Rundholz (auch Schadholz) im Wald gehortet bleibt, was die aktuelle Knappheit verschärft.
In Thüringen tragen etwa 200.000 Waldbesitzer zur Wertschöpfung und zur Waldpflege bei. Viele von ihnen lassen ihre erntereifen Bestände derzeit bewusst stehen. Andererseits besteht nach § 28 des Thüringer Waldgesetzes (ThürWaldG) ein waldgesetzlicher Auftrag der Beförsterung, der seitens ThüringenForst unter Waldbesitzern besser bekanntgemacht und erläutert werden sollte. Eine entsprechende Werbekampagne könnte private oder kommunale Waldbesitzer veranlassen, erntereife Bäume zu fällen, da die Dienstleistung der Bewirtschaftung nicht zwingend an die Vermarktung durch den ThüringenForst gekoppelt ist.
Mittel- und langfristig müssen genügend Fachkräfte zur Verfügung stehen, um auch unter widrigen Umständen eine ganzheitliche Waldbewirtschaftung sicherstellen zu können. Eine Verbesserung der Ausbildungs- und Nachwuchssituation im Bereich der Waldarbeiter kann künftigen Fehlentwicklungen in der Waldbewirtschaftung und Waldpflege vorbeugen. Nachdem in den vergangenen Ausbildungsjahrgängen verschiedene Facharbeiter nicht in eine Beschäftigung übernommen worden sind, sollte eine Rückgewinnungskampagne gestartet werden. Die Landesregierung muss nicht nur den Rahmen für einen standortgerechten, widerstandsfähigen und auch arten- und ertragsreichen Waldumbau setzen, sondern sollte im Verbund mit den Thüringer Hochschulen und der Landesforstanstalt auch Vorreiter bei der forstlichen Forschung und bei der Ausbildung in den forstlichen Fachberufen sein. Hierbei können die Fachstellen der Landesverwaltung, die Landesforstanstalt, die Thüringer Forstbranche und hiesige Hochschulen durch Forschung einen wichtigen Beitrag leisten.
Die Verstromung von Holz in Kraftwerken oder in Verbrennungsanlagen regionaler Wärmeenergieversorger stellt einen möglichen Weg dar, um nicht vermarktbares Schadholz sowie bisher aus den Wäldern zu bringen, was nicht nur für die Pflege des Waldes erforderlich, sondern auch im Sinne einer ökologisch sinnvollen Verwertung angeraten ist.

Vorgangsnummer im Thüringer Landtag

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