Mit dem am 13. August 1961 begonnenen Bau der Berliner Mauer reagierte das SED-Regime der DDR auf die anhaltende Massenflucht der
Menschen aus seinem Herrschaftsbereich. Zwischen 1949 und Sommer 1961 waren etwa 2,7 Millionen Menschen aus der DDR geflüchtet,
wodurch die DDR-Wirtschaft und die SED-Herrschaft in ihrer Existenz bedroht waren. Während die innerdeutsche Grenze zwischen Ostsee und Erzgebirge längst massiv abgeschottet war, war der Grenzübertritt im geteilten Berlin noch bis Anfang der 1960er Jahre gefahrlos möglich.
Spätestens im Frühjahr 1961 beschloss die SED unter Führung Walter Ulbrichts daher, dieses „Schlupfloch“ mittels einer Mauer zu schließen,
deren Bau dann im August 1961 in die Tat umgesetzt wurde. Schon wenige Tage nach Baubeginn war das erste Todesopfer der Mauer zu beklagen, der 24-jährige Günter Liffin. Ihm folgten zahlreiche weitere: Mindestens 140 Menschen starben an der Berliner Mauer, und insgesamt kostete das Gewaltregime an der DDR-Grenze zur Bundesrepublik Deutschland mindestens 600 Menschen das Leben, davon etwa 100 im Thüringer Abschnitt der DDR-Grenze. Zu den Opfern von Mauer, Stacheldraht und Schießbefehl sind auch jene zu rechnen, deren Flucht vereitelt wurde und die in der Folge Gefängnisstrafen und Repressionen
ausgesetzt waren oder jene, die in den Wochen nach dem 13. August 1961 verhaftet wurden, weil sie in der einen oder anderen Weise Kritik
am Mauerbau zu erkennen gaben. All diese Opfer der SED-Herrschaft symbolisieren in besonderer Weise den Unrechtscharakter des totalitären SED-Regimes und versinnbildlichen, wohin der Sozialismus führt.
Die historischen Ereignisse um den 13. August 1961 und das Schicksal der Opfer dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Daher ist es eine bleibende Aufgabe, die DDR-Vergangenheit nicht zuletzt wissenschaftlich aufzuarbeiten, sie in Schule und politischer Bildung zu vermitteln und
die öffentliche Auseinandersetzung mit der DDR-Geschichte und dem SED-Unrechtsregime zu befördern. Hierzu bietet gerade der 60. Jahrestag des Mauerbaus einen Anlass. Dieser Jahrestag sollte in Thüringen mit einer zentralen Gedenkveranstaltung begangen werden.

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