Das Ökosystem Wald garantiert Arterhalt und Artenvielfalt, der Wald bindet Kohlenstoffdioxid und speichert Wasser, gewährleistet Lebensqualität und Erholung der Menschen, ist wichtiger Tourismusmagnet und Wirtschaftsfaktor. Es zählt jeder Baum. Das Gleichgewicht zwischen der ökologischen und der ökonomischen Funktion des Waldes kann nur durch einen sachlich fundierten und schützenden Umgang mit diesem Lebensraum hergestellt werden. Zum aktuellen Stand sind über 100.000 Hektar Schadfläche in Thüringen über alle Eigentumsformen hinweg durch Befall mit Forstschädlingen und Wassermangel zu verzeichnen, dabei fallen etwa 30.000 Hektar im Staatsforst an, die zu etwa 20 Prozent aktiv wiederbewaldet wurden. Die Wiederbewaldung der geschädigten Flächen ist eine Herausforderung für die nächsten Jahrzehnte in Thüringen. Dazu bedarf es einer landesweiten Kraftanstrengung.
Damit diese erfolgreich ist, müssen, je nach Bodenbeschaffenheit und Wasserhaushalt, möglichst heimische oder zumindest standorttreue, widerstandsfähigere Arten eingesetzt werden. Zum Zweck einer schnellen und effizienten Aufforstung muss zudem das Personal der Landesforstanstalten aufgestockt werden. Die eigens in Thüringen produzierten Saatgutmengen müssen vergrößert werden. Dabei ist bei der Bewaldung und Bewirtschaftung die Verwendung von Rückepferden zu fördern. Die Anzahl der einsetzbaren Pferde ist aufzustocken. Aber auch Totholz muss im Wald der Zukunft erlaubt sein, sofern es der Umgebung nicht schadet. Denn auch hier herrscht Leben.
Dieser Wald kann dann durch entsprechendes Monitoring überwacht und gehegt werden. Mit Blick auf die wirtschaftliche Nutzung ist zu sagen: Dem Wald darf nur so viel entnommen werden, wie im gleichen Zeitraum nachwachsen kann. Wo gefällt wird, soll das Holz nicht in erster Linie als Exportgut dienen, sondern dem inländischen Bedarf zugeführt werden. Deutscher Wald muss auch deutscher Wald bleiben: Ein Ausverkauf an ausländische Investoren muss verhindert werden. Dafür ist die Wiederansiedlung regionaler Holzverarbeitungsunternehmen zu fördern. Hinsichtlich der Holzverarbeitung sollen so zugunsten der Wertschöpfung vor Ort und der Minimierung europaweiter Transporte regionale Kleinbetriebe gegenüber Großunternehmen unterstützt werden.
Gleichermaßen ist für die eigene Saatgutzucht Sorge zu tragen, um die Abhängigkeit von Importen zu verringern.
Politische Ansinnen, Waldflächen und insbesondere entstandene Kahlflächen zum Bau von Windkraftanlagen zu nutzen, sind strikt abzulehnen: Grundsätzlich dürfen Waldflächen keine Standorte für die Windindustrie werden.
Zusätzlich zu diesen dringlichen Schritten müssen mittel- bis langfristige Maßnahmen zum Schutz und zur Bewahrung des Waldes in Aussicht genommen werden. Forstbesitzer sollen CO2 -Bindungsleistungen erhalten und von den Ländern bei der zeitnahen Beräumung von Schadholz in
nichtstillgelegten Wäldern unterstützt werden. Um den durch wiederholte Dürren und durch menschliches Fehlverhalten begünstigten Bränden
entgegenzuwirken, soll ein Netz von Löschreservoirs (wie Wasserstauanlagen und natürliche Teiche) aufgebaut oder reaktiviert werden. Eine
Wald-vor-Wild-Ideologie und die Ausweitung der Jagdzeiten insbesondere auf Rehwild, aber auch Rotwild, begründet als vermeintlich forstliche
Maßnahme, lehnen wir ab. Deutschland hat bereits im internationalen Vergleich eine lange Bejagung auf Rehwild. Verbiss und Schälschäden
kann durch Ruhe- und Äsungszonen begegnet werden, statt auf den Abschuss zu setzen. Darüber hinaus werden verstärkte Schutzbemühungen von seltenen Waldtieren wie der Wildkatze und die Ergänzung der Liste windkraftsensibler Vögel um beispielsweise das Auerhuhn gefordert. Die Naturbildung von Kindern ist mittels Waldbegehungen und Waldpädagogik zu fördern.
Um all dies erreichen zu können, bedarf es der Zusammenarbeit der Forstwirtschaft, des Jagdwesens, der Wildbiologie und den politischen Willen zum Walderhalt.

Vorgangsnummer im Thüringer Landtag

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