Sehr geehrte Redaktion der Ostthüringer Zeitung,
gewöhnlich ist es Ihr Haus, das politische Parteien mit kurzfristigen Presseanfragen, Suggestivfragen und knappen Fristen konfrontiert. Heute erlauben wir uns, den Spieß einmal umzudrehen und im Sinne journalistischer Transparenz einige Fragen an Ihre Redaktion zu richten – insbesondere im Zusammenhang mit der Veröffentlichung eines offenkundig manipulierten Fotos aus dem Heinrich-Böll-Gymnasium in Saalfeld.
Da wir davon ausgehen, dass Qualitätsjournalismus auch bei Ihnen weiterhin ein hohes Gut ist, bitten wir – ganz im üblichen Stil moderner Medienarbeit – um eine Beantwortung bis heute, 13:00 Uhr.
Unsere Fragen:
- Trifft es zu, dass Ihre Redaktion ein manipuliertes Bildmaterial veröffentlicht hat, ohne zuvor zu prüfen, ob die darauf abgebildete Botschaft tatsächlich Teil der Originalaufnahme war – oder gilt in Ihrem Haus inzwischen das journalistische Prinzip »Passt zur Haltung, also passt es schon«?
- Welche konkreten redaktionellen Prüfmechanismen wurden vor Veröffentlichung angewandt – oder war die politische Stoßrichtung der Bildbotschaft ausreichend, um auf eine weitergehende Verifikation zu verzichten?
- Sehen Sie in der Veröffentlichung eines nachträglich veränderten Bildes einen bedauerlichen Einzelfall – oder handelt es sich aus Ihrer Sicht um eine zulässige Form der „kreativen Einordnung“, solange das Ergebnis in die gewünschte politische Erzählung passt?
- Welche personellen oder strukturellen Konsequenzen zieht Ihre Redaktion aus der Veröffentlichung dieses manipulierten Materials – oder wird der Vorgang intern eher unter der Rubrik »unglücklich gelaufen, aber politisch nützlich« verbucht?
Wir bedanken uns im Voraus für Ihre rasche Rückmeldung und freuen uns darauf zu erfahren, wie investigativ Ihre Redaktion arbeitet, wenn sie einmal selbst Gegenstand von Nachfragen ist.
Mit freundlichen Grüßen
Thomas Benninghaus
Landratskandidat Saalfeld-Rudolfstadt