Der Waschbär ist eine invasive Art aus Nordamerika, deren Population in Thüringen stark angestiegen ist. Trotz Bejagung konnte der Bestand nicht nachhaltig reduziert werden. Er beeinträchtigt die Biodiversität erheblich, insbesondere durch Fraßdruck, Nestplünderung und Konkurrenz um Lebensräume. Betroffen sind vor allem Bodenbrüter, Amphibien, Kleinsäuger sowie vom Aussterben bedrohte Muschelarten. Die Art schwächt die Stabilität zahlreicher Ökosysteme, indem sie in Nahrungsnetze und Brutzyklen eingreift. Besonders betroffen sind charakteristische Arten offener und strukturreicher Kulturlandschaften. Beispiele hierfür sind Rebhuhn und Feldlerche, Molcharten, die Europäische Sumpfschildkröte sowie seltene Muschelarten, die einem erhöhten Prädationsdruck unterliegen. Auch charakteristische Greifvogelarten wie der Rotmilan werden durch den Rückgang potenzieller Beutetiere und durch Störungen an Brutplätzen mittelbar beeinträchtigt. In der Landwirtschaft und dem Gartenbau werden zunehmend Schäden festgestellt. Siedlungsbereiche verzeichnen vermehrt Müllzugriffe sowie das Eindringen in Gebäude, was zu gesundheitlichen Risiken führt. Darüber hinaus besteht die Gefahr der Übertragung von Zoonosen wie Staupe, Tollwut oder Infektionen mit dem Waschbärspulwurm. Die bisherigen Maßnahmen der Landesregierung sind unzureichend. Damit beruhen die vorhandenen Daten überwiegend auf jagdlichen Meldungen und naturschutzbegleitenden Beobachtungen, was keine flächendeckende oder methodisch abgestimmte Datengrundlage bildet. Ein belastbarer Überblick über die Verbreitung fehlt damit ebenso wie eine solide Basis, um die Populationsentwicklung zu bewerten und gezielt zu steuern. Die Jägerschaft in Thüringen erfüllt bereits zentrale Aufgaben in Hege, Revierpflege und Stabilisierung der ökologischen Vielfalt. Eine zusätzliche Bejagung invasiver Arten führt zu einer weiteren Belastung. Ohne ausreichende Unterstützung und Anerkennung sinkt trotz hohen persönlichen Engagements die Bereitschaft zur konsequenten Umsetzung. Deshalb verdient diese Leistung eine finanzielle Wertschätzung. Daher sind klare und praktikable Rahmenbedingungen erforderlich, um die Jägerschaft zu entlasten und ihre Arbeit zu stärken. Dazu zählen die Förderung geeigneter Fangsysteme, zuverlässiger Meldeeinrichtungen sowie die Einführung einer aufwandsgerechten Abschussprämie. Diese Maßnahmen ermöglichen eine wirksame Regulierung der Waschbärpopulation und tragen zu einer nachhaltigen Entwicklung der natürlichen Lebensräume bei. Die Landesregierung wird daher aufgefordert, ein Gesamtkonzept zu entwickeln, das Erfassung, Bejagung sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen mit gezielten Informations- und Sensibilisierungsmaßnahmen verknüpft und damit die Ausbreitung der Waschbären wirksam eindämmt sowie die heimische Artenvielfalt in Thüringen schützt.