Der östliche Kyffhäuserkreis wird weiterhin überwiegend aus örtlichen Grundwasservorkommen versorgt. In ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage 8/690 in der Drucksache 8/1174 stellte die Landesregierung fest, dass insbesondere in Gebieten ohne Fernwassereinspeisung höhere Uranwerte sowie zahlreiche Nitratwerte vergleichsweise nah an den Grenzwerten der Trinkwasserverordnung gemessen wurden. Zugleich erklärte sie, dass im Verbandsgebiet des Kyffhäuser Abwasser- und Trinkwasserverbandes (KAT) seinerzeit keine mengenmäßige Beeinträchtigung bekannt gewesen sei, die die Erschließung alternativer Ressourcen oder die Nutzung von Fernwasser erforderlich gemacht hätte. Eine Zuführung von Fernwasser sei mit erheblichen Kosten verbunden und werde vom KAT bislang nicht angestrebt. Nach der Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage 8/1054 in der Drucksache 8/1720 wurden beim KAT in den vergangenen Jahren unter anderem Trinkwasserleitungen und Hochbehälter erneuert, Verbundversorgungsleitungen errichtet beziehungsweise deren Errichtung begonnen sowie eine Anlage zur Nitratentfernung im Bereich der Grundwassergewinnungsanlage Bretleben erprobt. Angesichts wiederkehrender Trockenperioden, der notwendigen Sicherung der Trinkwasserqualität und des langfristigen Investitionsbedarfs stellt sich die Frage, welche Versorgungsstrategie technisch und wirtschaftlich dauerhaft tragfähig ist. Von besonderer Bedeutung ist dabei ein belastbarer Vergleich zwischen der weiteren Nutzung und Aufbereitung örtlichen Brunnenwassers und einer teilweisen oder vollständigen Einbindung in eine Fernwasserversorgung.

Wir fragen die Landesregierung:

1. Welche Investitionen hat der KAT seit dem Jahr 2015 im Bereich der Trinkwasserversorgung vorgenommen (bitte nach Maßnahme, Standort beziehungsweise Versorgungsgebiet, Investitionsvolumen, Zeitraum der Umsetzung und Zweck der Maßnahme aufschlüsseln)?

2. Wie wurden die in Frage 1 genannten Investitionen jeweils finanziert und in welcher Höhe wurden Eigenmittel, Kredite, Landesmittel, Bundesmittel oder sonstige Fördermittel eingesetzt?

3. Welche konkreten Investitionen zur Verbesserung der Trinkwasserqualität und zur Erhöhung der Versorgungssicherheit sind beim KAT derzeit geplant, in Vorbereitung oder bereits begonnen und mit welchen voraussichtlichen Investitions- und laufenden Betriebskosten wird jeweils gerechnet?

4. Welche Ergebnisse haben die Nitratablösestudie sowie der Probebetrieb der Anlage zur Nitratentfernung im Bereich der Grundwassergewinnungsanlage Bretleben erbracht (bitte die bereits entstandenen beziehungsweise künftig zu erwartenden Investitions- und Betriebskosten und die messbaren Auswirkungen auf die Trinkwasserqualität angeben)?

5. Welche Investitionen wären nach Kenntnis der Landesregierung beziehungsweise aufgrund vorliegender Planungen in den kommenden zehn und 20 Jahren erforderlich, um die bestehende Versorgung aus örtlichen Grundwasservorkommen dauerhaft aufrechtzuerhalten, insbesondere hinsichtlich Brunnen, Aufbereitungsanlagen, Speicher- und Hochbehälter, Verbundversorgungsleitungen und Leitungsnetze?

6. Liegen dem KAT, der Landesregierung oder anderen zuständigen Stellen Wirtschaftlichkeitsberechnungen, Variantenuntersuchungen oder Machbarkeitsstudien vor, in denen die weitere Nutzung und gegebenenfalls zusätzliche Aufbereitung örtlichen Brunnenwassers mit einer teilweisen oder vollständigen Versorgung durch Fernwasser verglichen wird, und, wenn ja, welche Varianten wurden mit welchen Investitions- und Betriebskosten untersucht und zu welchem Ergebnis kamen die Untersuchungen?

7. Welche Investitionskosten und laufenden Betriebskosten werden nach Kenntnis der Landesregierung für eine teilweise oder vollständige Anbindung des östlichen Kyffhäuserkreises beziehungsweise des Verbandsgebietes des KAT an eine Fernwasserversorgung veranschlagt (bitte die möglichen Anschlusspunkte, Trassen beziehungsweise technischen Varianten, die hierfür grundsätzlich in Betracht kommen, angeben)?

8. Welche Auswirkungen hätte eine teilweise oder vollständige Fernwasserversorgung nach den der Landesregierung oder dem KAT vorliegenden Untersuchungen auf die Trinkwasserqualität, die Versorgungssicherheit bei längeren Trockenperioden, den künftigen Investitionsbedarf in bestehende Wassergewinnungs- und Aufbereitungsanlagen sowie die Trinkwassergebühren?

9. Fanden seit der Beantwortung der Kleinen Anfrage 8/690 in der Drucksache 8/1174 Gespräche, Prüfungen oder Verhandlungen zwischen dem KAT, der Landesregierung, der Fernwasserversorgung oder anderen Versorgungsträgern über eine mögliche Fernwassereinspeisung beziehungsweise einen Anschluss des KAT-Verbandsgebiets statt und, wenn ja, wann, mit welchen Beteiligten und mit welchem Ergebnis?

10. Wie bewertet die Landesregierung unter Berücksichtigung der aktuellen und prognostizierten klimatischen Entwicklung die langfristige technische und wirtschaftliche Tragfähigkeit der weiteren überwiegenden Versorgung aus örtlichem Brunnenwasser einschließlich erforderlicher Aufbereitungs- und Infrastrukturinvestitionen im Vergleich zu einer teilweisen oder vollständigen Einbindung in die Fernwasserversorgung, insbesondere hinsichtlich Versorgungssicherheit, Trinkwasserqualität, Investitionsbedarf, laufender Kosten und langfristiger Gebührenentwicklung?

Vorgangsnummer im Thüringer Landtag

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