Nach der Implosion der BSW-Fraktion sind die politischen Mehrheitsverhältnisse im Thüringer Landtag völlig ungeklärt. Dennoch soll der Landtag bereits über eine neue Besetzung der Ausschüsse entscheiden. Die AfD-Fraktion lehnt ein solches Vorgehen ab, da Artikel 62 der Thüringer Verfassung verlangt, dass die Zusammensetzung der Ausschüsse die Mehrheitsverhältnisse im Landtag widerspiegelt. Solange aber nicht einmal eindeutig feststeht, welche Abgeordneten Regierung und Opposition zuzurechnen sind, weil einzelne Abgeordnete ihre Rolle offenbar selbst noch nicht geklärt haben, fehlt dafür die notwendige Grundlage.
Dazu erklärt Björn Höcke, Fraktionsvorsitzender der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag:
»Das heutige Chaos trägt einen Namen: Mario Voigt. Er hat seine persönlichen Glaubwürdigkeitsprobleme aus der Plagiats- und KI-Affäre in die Koalition und damit in den Landtag hineingetragen. Nun inszeniert er politische Stärke an der Spitze einer Regierung ohne eigene Mehrheit. Ehemalige BSW-Abgeordnete lassen ihre Rolle offen und eine neue Fraktion will einen Koalitionsvertrag fortführen, den sie selbst niemals geschlossen hat. Wer unter diesen Umständen von klaren Mehrheitsverhältnissen und Stabilität spricht, verweigert sich der politischen Wirklichkeit. Artikel 62 der Thüringer Verfassung verlangt die Abbildung tatsächlicher Mehrheitsverhältnisse und keine parlamentarischen Wunschkonstruktionen. Deshalb dürfen die Ausschüsse jetzt auch noch nicht im Eilverfahren neu verteilt werden.
Auch die Regierungsbefragung ist zur Farce geworden. Die entscheidende Frage lautet nicht mehr, wie diese Regierung weiterarbeiten will, sondern wie lange Mario Voigt noch an einer Regierung ohne Mehrheit festhält. Deshalb werden wir an dieser Farce auch nicht teilnehmen. Thüringen braucht klare Verhältnisse – und daher Neuwahlen.«