In der öffentlichen Anhörung der Enquetekommission 8/1 des Thüringer Landtags kamen am 18. September der Landesseniorenrat Thüringen und der Verein Pädagogen für Menschenrechte e. V. zu Wort. Der Landesseniorenrat bezeichnete die Vorgänge in den Pflegeeinrichtungen als »eines der finstersten Kapitel der Nachkriegsgeschichte«. Alte und pflegebedürftige Menschen wurden isoliert und von ihren Familien abgeschnitten. Keine Umarmung, keine tröstende Hand, oftmals nicht einmal ein würdevoller Abschied. Während Angehörige draußen verzweifelten, blieben die Betroffenen einsam, verängstigt und schutzlos zurück. Aus angeblichem Schutz wurde unmenschliche Isolation – für zu viele bis zum letzten Atemzug.
Die Pädagogen für Menschenrechte berichteten, dass Kinder mit Behinderungen schmerzhafte und grenzüberschreitende Testungen erdulden mussten. Man nahm ihnen Gemeinschaft, Geborgenheit und ein Stück unbeschwerte Kindheit. Kinder hatten Angst, aufgrund ihrer bloßen Existenz Menschen zu töten. Aus Schule als Schutzraum wurde ein Ort von Zwang, Angst und Beschämung – zurück blieben Angst und tiefe seelische Wunden. Der Verein fordert lückenlose Aufklärung der Entscheidungsgrundlagen und eine ehrliche Anerkennung der angerichteten Schäden.
Dazu erklärt Melanie Berger, Mitglied der Enquetekommission »Corona«:
»Der erschütternde Befund beider Anhörungen lautet: Bürokratischer Zwang wurde über Menschenwürde, körperliche Unversehrtheit und Mitmenschlichkeit gestellt. Die Schwächsten unserer Gesellschaft mussten den höchsten Preis dafür zahlen. Dass die politische Aufarbeitung erst Jahre später beginnt, ist ein weiteres Versagen gegenüber den Betroffenen.«